ВИЛКОВО (13. – 17. Juni 2012)

Dass Vilkovo das Venedig der Ukraine ist steht in meinem Reiseführer, doch dass dem wirklich so ist, habe ich wiedereinmal erst am letzten Abend realisiert. Doch dazu später. Denn in meine Reiseführer steht auch, dass die Mashrutkas (Minibus) alle 2 Stunden von Odessa nach Vilkovo fahren. Jetzt stehe ich aber um 9 Uhr (die Fahrt mit dem Mashrutka hierher hat viel länger gedauert als erwartet) endlich bei der Busstation und – die nächste Mashrutka nach Vilkovo fährt erst um 11:50. Toll, eine ganze lange Weile warten… Die Fahrt selber ist für mich die reinste Tortur. Bevor wir abfahren herrschen schweisstreibende Temperaturen im Bus. Dann habe ich einen Platz unterhalb des Dachfensters erwischt. Das bedeutet Zugluft pur. Während die einen sicher froh darum gewesen wären, bedeutet es für mich den sicheren Tod – oder zumindest wieder eine Erkältung. Und genau so kommt es auch. Als der Bus plötzlich eine wartende Schlange Lastwagen vor sich hat, ahne ich böses. Wir befinden uns vor der Grenze zu Moldawien! Ich kenne die Einreisebestimmungen für Moldawien nicht und habe ein flaues Gefühl in der Magengegend. Als der Grenzkontrolleur in die Mashrutka schaut, heisst es einfach Gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Doch schliesslich ist das ganze nur halb so wild. Die Kontrolleure zählen die Passagiere im Bus, schreiben die entsprechende Zahl auf ein offizieles Zettelchen und geben dieses Papierchen dann dem Fahrer. Dann fahren wir ein paar Kilometer über moldawischen Boden bis wir zur nächsten Grenzkontrolle kommen. Dort schaut ein weiterer Kontrolleur in die Mashrutka und nimmt das Zettelchen vom Fahrer entgegen. So geht das also. Mit viel Zugluft geht die Fahrt weiter und mit jedem Windchen an meinen Nacken fühle ich die Erkältung näher kommen… In Vilkovo habe ich Glück. Zuerst frage ich ein Mädchen, das am Warten ist, nach dem Weg. Dann fährt mich ihr Vater, auf den sie gewartet hat, direkt zu meiner Pension. Ich hätte die etwa 2 Kilometer auch sicher zu Fuss geschaft, aber warum rät mir hier jeder davon ab – es ist weit, es ist weit? Mein Zimmer ist klein, im ersten Obergeschoss eines kleines Häuschen direkt unter dem Dach – und es ist stickig warm.
Am nächsten Tag habe ich zuerst ein paar Anlaufschwierigkeiten. Ich muss mich zuerst überwinden, ins Dorf zu laufen, um etwas zum Essen zu kaufen. Dann habe ich wieder etwas Glück. Es bietet sich mir die Gelegenheit, mit einem älteren deutschen Pärchen auf eine Bootstour durchs zum “Bird Watching” zu gehen. Das teilt die Kosten und ich komme günstig zu einer Tour durchs Danube Delta. Mit einem kleinen Schnellboot fahren wir den Flussarm hinunter zum Delta. Überall säumt Schilf das Ufer. Bei den Sandbänken, wo der Fluss ins Schwarze Meer mündet, sehen wir viele Vögel (es mögen tausende sein). Darunter hat es Kormorane und Seeschwalben (oder so etwas), aber auch Pelikane sehen wir. Wir legen bei einer Sandbank an und erkunden diese etwas. Als wir kommen, fliegen alle Vögel auf. Wir sind ihnen wohl zu nahe, denn am Boden finden wir ein Nest mit grün-braun gesprenkelten Eiern drin. Ich finde auch noch wunderschöne Schneckenschalen – solche habe ich bis jetzt erst an Souvenierständen gesehen. Ein weiteres Souvenier zum mit mir rumschleppen.
Die nächsten beiden Tagen habe ich zu kämpfen – mit mir selber. Die Hinfahrt fordert ihren Tribut und ich habe noch immer eine kleine Erkältung mit leicht Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Dagegen hilft mir Panadol, nur geht mir diese Droge aus. Doch meine Verdauungsschwierigkeiten sind auch nicht gerade angenehm…
Trotzdem, oder gerade weil ich weiss, dass ich weiterreisen muss, gehe ich am letzten Abend noch auf Entdeckungsreise ins Dorf. Bei der Brücke folge ich auf dem Brettersteg dem Kanal. Irgendwann biege ich in ein “Seitengässchen” ein. Eine wirkliche Gasse ist das nicht, sonder viel eher ein kleiner Kanal, entlang dessen ein kleiner Brettersteg führt. Auf meiner Entdeckungstour folge ich noch etwas den kleinen Kanälen durchs Dorf, bis ich schliesslich zum Nachtessen zurück zur Pension muss.

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